Ewa's & Fabi's vegane Welt, Ausgabe 3

Vegan und schwanger Teil 2 – Eiweißzufuhr und Milchbildung

 

In der letzten Ausgabe von „Ewa’s & Fabi’s vegane Welt“ haben wir ein wichtiges Thema für alle werdenden Mütter aufgegriffen und gezeigt, dass Schwangerschaftsübelkeit nicht einfach hinzunehmen ist als unangenehmer Teil einer ansonsten glücklich verlaufenden Schwangerschaft, sondern durch eine vegane Ernährung mit Lebensmitteln aus biologischem Anbau, also durch eine Ernährung ohne Schadstoffe wie Hormone in Milch und Fleisch oder Pestizide in Gemüse vermieden werden kann. Heute widmen wir uns dem viel diskutiertem Thema (veganer) Ernährung in der Schwangerschaft und wie diese die Milchbildung beeinflusst.

 

Wissenschaft und Gesundheitswesen sind sich einig: Muttermilch und Stillen bilden eine unersetzbare Grundlage für das gesunde Wachstum eines Säuglings, etwa in Bezug auf eine bedarfsgerechte Nährstoffzufuhr, Vermeidung von infektiösen Erkrankungen der Atemwege und des Darms oder als Präventivmittel gegen Übergewicht und Adipositas. Die World Health Organization (WHO) empfiehlt ausdrücklich, Säuglinge bis zur Vollendung des sechsten Lebensmonats ausschließlich mit Muttermilch zu versorgen. Eine Zusammenfassung der WHO Empfehlungen findet ihr im Online-Still-Lexikon.

 

Doch was macht die Muttermilch zum Liebling der Wissenschaft und wie entsteht sie überhaupt? Schon während der Schwangerschaft wird durch die Hormone Progesteron und Östrogen (aus Eierstöcken und Plazenta) im Gehirn das Hormon Prolaktin gebildet, welches später für die Milchbildung zuständig ist. Dazu sorgt das Hormon Oxytocin für den Milchfluss.

 

Grundsätzlich ist Muttermilch ein wundervolles Nahrungsmittel, das alle wesentlichen Nährstoffe für das Neugeborene enthält. Das sind hauptsächlich Eiweiße (Proteine), Fette (Lipide) und Kohlenhydrate (vor allem Milchzucker). Vitamine, Mineralien und Spurenelemente sowie zahlreiche Abwehrstoffe ergänzen die drei Hauptbestandteile. Muttermilch verändert sich und passt sich bedarfsgerecht immer wieder an Alter und auch Geschlecht des Kindes an. Entstehung, Zusammensetzung und die gesundheitliche Wirkung von Muttermilch auf das Baby hat urbia.de, ein Familien-Portal, in einem übersichtlichen Artikel zusammengefasst.

 

Ein viel besprochenes Thema innerhalb der Diskussion um Stillen und Muttermilch ist die Frage, ob wir durch unsere Ernährung steuern können, wie „gut“ unsere Muttermilch zusammengesetzt ist. Kann ich mich als Schwangere vegan ernähren oder gefährde ich damit die Gesundheit meines Babys?

 

Zunächst einmal muss betont werden, dass Frauen auf der ganzen Welt unabhängig davon, was sie essen, Muttermilch produzieren und damit ihre Kinder groß ziehen. Egal auf welchem Kontinent, egal mit welcher ländertypischen Diät. Wie kommen Menschen auf einmal auf die Idee, dieser Jahrtausende alte Ablauf würde nicht mehr funktionieren, weil man zum Beispiel keine Milch trinkt oder Eier isst? „Wer viel Milch trinkt, bildet auch viel Milch“, so ein gängiges Vorurteil. Verwandte und Freunde sparen nicht mit guten Ratschlägen: „Iss’ viel Fisch und Fleisch, das ist wichtig während der Schwangerschaft.“ Aber stimmt das wirklich? Nein, es stimmt nicht, denn Kuhmilch stellt ein wissenschaftlich bewiesenes Gesundheitsrisiko dar, ebenso Fleisch. Das liegt zum Beispiel an den Hormonen, die darin enthalten sind. 60 Prozent des Hormons Östrogen, das ein Erwachsener Mensch zu sich nimmt, stammt aus Kuhmilch. Denn Östrogen ist von Natur aus in der Milch. Östrogene sind auch im Fleisch. In der Tierzucht werden bekanntermaßen Östrogene dem Futter zugesetzt, um eine erhöhte Fett- und Wassereinlagerung bei den sogenannten Nutztieren zu erreichen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung erläutert in seinem Artikel „Fragen und Antworten zu Hormonen in Fleisch und Milch“ diese Thematik eingehend. Und Epoch Times befasst sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen durch die Einnahme zu vieler Hormone in dem Artikel „Schwer abzubauen – das Östrogenproblem“. Ein erhöhter Östrogen-Spiegel ist dann auch einer der Gründe für einen erhöhten Prolaktingehalt bei stillenden Frauen. Prolaktin ist – wie gesagt – das Hormon, das zur Milchbildung gebraucht wird. Das heißt also: ja, Milch trinken hilft Milch zu produzieren. Aber nicht wegen der Nährwerte an sich sondern wegen der Hormone, die wir zu uns nehmen. Doch bei überdurchschnittlichem Milchkonsum – das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt als Maximumwert 200 bis 250 Gramm pro Tag, der von vielen Menschen, die Milch, Käse, Joghurt und andere Milchpropdukte konsumieren, nicht eingehalten wird – kann dies zu einem Prolaktinüberschuss und damit zu einer Überproduktion an Muttermilch führen. Die Folge ist häufig ein schmerzhafter Milchstau und damit das ungewollte Abstillen. Gesundpedia.de erläutert Entstehung, Vorbeugung und Heilungsmethoden des Milchstaus in dem Artikel „Brustentzündung (Mastitis)“. Das Gesundheitsportal eesom.com geht die Thematik in dem Artikel „Prolaktinüberschuss“ von der wissenschaftlichen Seite her an.

 

Wir kennen persönlich eine stillende Mama, die an Entzündungen litt und der von ihrer Hebamme zu veganer Ernährung geraten wurde – mit Erfolg! Es gibt nämlich zum Glück pflanzliche Alternativen, welche die Milchbildung fördern, die keine Nebenwirkungen haben. Zum Beispiel Bockshornklee: er enthält natürliche, pflanzliche Hormone, über welche die körpereigene Produktion der für das Stillen notwendigen Hormone zusätzlich angeregt wird. Eine sehr informative Zusammenfassung natürlicher milchanregender Kräuter gibt es bei Bockshornklee.info. Generelle Tipps, wie man die Milchbildung anregen kann, sind unter Gestillt.de erhältlich.

 

Ein weiteres wichtiges Thema in der Schwangerschaft und nach der Geburt des Babys beim Stillen ist die Versorgung mit allen nötigen Nährstoffen. Protein, Eisen, B12, Folsäure und Kalzium sind die Nährstoffe, welche man im Auge behalten muss. Es ist allerdings kein Problem, alle ausreichend zu sich zu nehmen und dabei auf tierische Produkte zu verzichten. Unter „Vegan stillen – Kein Problem“ erhält man einen tollen Überblick über die Ernährung während der Stillzeit. So ist zum Beispiel bewiesen, dass unser täglicher Kalziumbedarf sehr viel besser aus pflanzlichen Lebensmitteln gedeckt werden kann als aus Kuhmilch, da das darin enthaltene Kalzium eine geringere Bioverfügbarkeit hat als dasjenige aus Gemüsen wie Kopfkohlarten und Brokkoli. Auch die Eiweißzufuhr kann problemlos aus pflanzlicher Nahrung generiert werden: eine schwangere Frau sollte täglich 65 Gramm Protein zuführen bei einem Körpergewicht von 60 Kilogramm. Gemüse und Salate liefern einen kleinen Teil davon, der Großteil aber kann aus Hülsenfrüchten wie Erbsen, Bohnen, Linsen oder Sojaprodukten gewonnen werden. Bezüglich der Versorgung mit Vitamin B12 lässt man sich am besten regelmäßig testen. Beim Stillen würden wir von vornherein ein Nahrungsergänzungsmittel empfehlen, um nichts zu riskieren. Eisen kommt vor zum Beispiel in grünem Blattgemüse, Hülsenfrüchten und Hirse. Zu beachten ist, dass Eisen zusammen mit etwas Vitamin C besser aufgenommen werden kann.

 

Habt Ihr noch Fragen oder Anregungen? Wir freuen uns sehr über Eure Kommentare.

 

In der nächsten Ausgabe von „Ewa’s & Fabi’s vegane Welt“ erfahrt ihr alles über Kleidung aus Bambus, Ananas und anderen pflanzlichen Stoffen.